Es fühlt sich ehrlich gesagt etwas schade an, diesen Beitrag schreiben zu müssen. Mattermost war lange Zeit eine großartige, selbstgehostete Alternative zu Slack & Co. – solide, zuverlässig und offen.
Mit dem Update auf Version 11 kam dann jedoch die Überraschung: Die „Free“-Edition enthält nun Message-Limits und zwingt Nutzer faktisch in Richtung eines kostenpflichtigen Plans. Besonders frustrierend ist dabei die fehlende Transparenz. Es gibt kaum offizielle Hinweise oder Unterstützung dazu, wie man weiterhin die Open-Source Team Edition nutzen kann. Diese ist zwar noch verfügbar – aber gut versteckt.
Wenn man sich die aktuellen Reddit-Diskussionen rund um das v11-Update anschaut, merkt man schnell: Viele wurden davon kalt erwischt. Und genau diese Intransparenz sorgt eher dafür, dass sich Nutzer nach Alternativen umsehen.
Für alle, die weiterhin die Mattermost Team Edition ohne Einschränkungen betreiben möchten, hier mein Vorgehen unter Ubuntu 24.04.
Ausgangssituation
- Ubuntu 24.04
- Installation ursprünglich über das offizielle Mattermost APT-Repository
- Upgrade auf Team Edition 11.4.0
- PostgreSQL als Datenbank
- Installation unter
/opt/mattermost
Im Prinzip die empfohlene Installationsvariante laut Mattermost Doku.
Schritt 1: Mattermost stoppen
Zuerst den Dienst stoppen, damit keine Dateien während des Upgrades verändert werden:
sudo systemctl stop mattermost
Schritt 2: Vollständiges Backup erstellen
Unbedingt vorher ein komplettes Backup anlegen:
sudo cp -ra /opt/mattermost /opt/mattermost-backup
Datei Backup ist Pflicht – nicht optional. Wir benötigen es zur Wiederherstellung nach dem Update.
Schritt 3: Team Edition herunterladen
Die Team Edition findet man im offiziellen Version Archive:
https://docs.mattermost.com/product-overview/version-archive.html
Beispiel für Version 11.4.0:
cd /tmp
wget https://releases.mattermost.com/11.4.0/mattermost-team-11.4.0-linux-amd64.tar.gz
Schritt 4: Archiv extrahieren
Ich extrahiere die neue Version mit einem Suffix, damit sie separat liegt:
tar -xf mattermost*.gz --transform='s,^[^/]\+,\0-upgrade,'
Dadurch entsteht:
/tmp/mattermost-upgrade
Die bestehende Installation bleibt unangetastet.
Schritt 5: Alte Server-Dateien entfernen (Persistente Daten behalten!)
Wichtig:
Nicht löschen:
- config
- data
- logs
- plugins
- client/plugins
Folgender Befehl entfernt nur die ersetzbaren Server-Dateien:
cd /opt
sudo find mattermost/ mattermost/client/ -mindepth 1 -maxdepth 1 \
! \( -type d \( -path mattermost/client -o -path mattermost/client/plugins -o -path mattermost/config -o -path mattermost/logs -o -path mattermost/plugins -o -path mattermost/data \) -prune \) \
| sort | sudo xargs rm -r
Damit bleiben Konfiguration und Uploads vollständig erhalten.
Schritt 6: Neue Team Edition kopieren
cp -an /tmp/mattermost-upgrade/. /opt/mattermost/
-aerhält Rechte-nüberschreibt nichts Bestehendes
Schritt 7: Mattermost starten
sudo systemctl start mattermost
Weboberfläche neu laden – wenn alles sauber lief, läuft jetzt die Team Edition 11.4.0.
Schritt 8: Neues Backup erstellen
Nach erfolgreichem Test erneut sichern:
sudo cp -ra /opt/mattermost /opt/mattermost-11-team
Schritt 9: APT-Paket und Repository entfernen
Da das offizielle Repository nur die kommerzielle Entry-Version installiert, wird es nun entfernt:
sudo apt remove mattermost
sudo rm /etc/apt/sources.list.d/mattermost.list
Achtung: System-User prüfen
Bei mir wurde durch apt remove auch der mattermost-User gelöscht.
Vorher UID/GID prüfen:
ls -la /opt
Dann ggf. neu anlegen:
groupadd -g 123 mattermost
useradd -u 116 -g 123 -m -s /bin/bash mattermost
(IDs entsprechend anpassen.)
Hier im Screenshot seht ihr wie man die IDs erkennt.

Schritt 10: Systemd-Service wiederherstellen
Falls der Service entfernt wurde:
sudo cp /home/marc/mattermost.service.bak /lib/systemd/system/mattermost.service
sudo systemctl daemon-reload
sudo systemctl enable mattermost
sudo systemctl start mattermost
Damit startet Mattermost wieder automatisch beim Booten.
Was ist mit Let’s Encrypt?
Falls TLS über nginx + certbot läuft (was in den meisten Setups der Fall ist), bleibt alles unverändert.
Zertifikate werden weiterhin automatisch erneuert – das hängt nicht vom Mattermost-Paket ab.
Prüfen mit:
systemctl list-timers | grep certbot
Fazit
Der Wechsel zur Team Edition ist technisch absolut machbar – aber unnötig kompliziert gehalten.
Was besonders negativ auffällt:
- Keine klare Kommunikation
- Keine einfache Downgrade-/Switch-Option
- Kaum offizielle Hinweise zur Team Edition
- Viele Nutzer wurden vom v11-Update überrascht
Gerade für ein Projekt mit Open-Source-Wurzeln wirkt dieser Schritt enttäuschend.
Ob das langfristig klug ist?
Die aktuellen Diskussionen zeigen eher, dass sich viele nach Alternativen umsehen.
Für mich läuft jetzt wieder eine saubere, limitfreie Mattermost Team Edition – vollständig selbstverwaltet und ohne versteckte Einschränkungen.
Und genau so sollte Self-Hosting eigentlich sein!
